24h NOS SRD

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Verrückter hätten diese 24 Stunden auf der wohl schwersten Rennstrecke der Welt nicht sein können. Von Anfang an hatte sich beim von Simracing Deutschland e.V. ausgetragenen Event schon abgezeichnet, dass die Hatz durch die Grüne Hölle einem Ritt auf der Kanonenkugel gleichkam. Insgesamt 60 Teams stellten sich der Herausforderung, die knapp 25km lange Traditionsachterbahn in drei Fahrzeugklassen (wie auch bei der vVLN von SRD) zu bestreiten. Mit dabei: Zwei MSP Teams – jeweils in der Spitzenklasse der GT3 und in der RUF C-Spec Klasse. 24H MSP-DRIVERS-HOME 1 qualifizierte sich in einem Audi R8 LMS GT3, während das zweite Team (24H MSP-DRIVERS-HOME 2) sich der fahrerisch gesehen mit dem Ruf C-Spec der wohl schwersten Aufgabe annahm.

(Stunde 1-6) – Beide MSP Teams auf den vorderen Rängen
Wie schon angedeutet hatte es das Jahreshighlight von SRD schon in den ersten Minuten faustdick hinter den Ohren. Während beim Qualifying keine größeren Überraschung zu vermelden waren, hatte der Schock zu Rennbeginn richtig eingeschlagen, als in der GT3-Klasse die Polesetter von Falcon GP von der nahen Bildfläche verschwanden: Die Truppe rund um den orangenen Mercedes Benz AMG GT hatte mit Kay Kaschube am Steuer zunächst die Pace vom Start weg vorgegeben – sogar so sehr, dass Nordschleifen-Könner wie die PRT-Mannschaft zunächst abreißen lassen mussten. Hinter PRT auf P2 sortierte sich die zwischenzeitlich die Kombination aus CORE und Coanda Simsport auf P3 ein (COREanda). Der MSP-Audi (#143) hatte vergleichsweise einen mäßigen Start von P6 aus. Julien Grünastel hatte den Startstint übernommen, konnte und wollte aber von den ersten Metern an der brutalen Pace der ersten fünf Autos nicht folgen. Nachdem man die ersten drei Runden gut überstanden hatte, folgte in Runde vier der erste vieler Krisenmomente, als die #143 bei der Einfahrt zur Eiskurve das Heck verlor und sich wegdrehte. Ein Einschlag konnte zwar vermieden werden, dennoch verlor das Team rund um Le-Mans-Legende Frank Biela zehn Plätze. Wenige Minuten später erwischte es MSP nochmal im kleinen Karussell, als Grünastel wieder das Heck verlor und mit der Schnauze einen heftigen Satz in die Leitplanke machte. Aber auch die Vordermänner blieben nicht unverschont – zum Leid der Führenden war auch die Truppe von Falcon GP im Abflugfestival integriert. Zwei Stunden später hatte sich das erste kleine Chaos wieder gelegt, inzwischen war der MSP-Audi wieder auf P5, während PRT und COREanda (jeweils BMW Z4 GT3) das Tempo angaben.

Beim Ruf C-Spec Team lief erstaunlich gut. Die erst vor ein paar Tagen zusammengewürfelte Mannschaft bot packenden Motorsport vom Feinsten und hielt sich im ersten Viertel des Rennens auf einem fast schon unglaublichen zweiten Platz. Vor allem Carlos Campos Monserrat konnte seinem Team mit bärenstarken Rundenzeiten zu einer Hoffnung auf mehr verhelfen. Zwar war man nie in der Lage, die C-Spec Speerspitze von RSO (#297) gefährlich zu werden, dennoch verschaffte man sich gerade im Hinblick auf die Konkurrenz von Banzai Motorsport und Heusinkveld Engineering eine gute Ausgangslage.

(Stunde 7-12) – Rückschläge bei beiden MSP Teams
Gegen Rennhälfte hatte sich der Großteil des Feldes auf seinen Positionen eingefunden und schon ziemlich sortiert. Nachdem die immer etwas hektische Startphase überstanden war, bürgerte sich bei dem meisten das normale Programm ein, das abzuspulen war. In der GT3-Klasse fuhr die Spitze unverändert dem Rest des Feldes davon, einzig ab den Plätzen drei bis zehn herrschte ständige Fluktuation und Rotation. Auch beim MSP-Audi beherrschte die Platz-Rotation das Renngeschehen, zumal man nach den ersten zwei Abflügen im zweiten Stint von Tanson einen weiteren Crash verdauen musste. Mit verbogenen Auto versuchte man vehement, keinen der insgesamt sechs Fast Repairs einzusetzen, da mit dieser Wahl auch eine zwei minütige Stop-and-Go einhergehen würde. Kurz vor Stunde zehn entschloss man sich dann doch zum Fast-Repair, fiel dafür aber auf P9 zurück. Ziel war es gewesen, mit frischem Auto die restlichen 14 Stunden anzugreifen.

Ähnlich verlief die Rennsituation beim zweiten MSP-Team. Die Fünf-Mann-Truppe musste sich mit der Zeit den schnelleren Teams von Banzai Motorsport und Heusinkveld Engineering geschlagen geben und sich auf Platz vier einsortieren. Dennoch reichte die Pace gut und gerne aus, sich vor den anderen C-Spec-Gegnern zu behaupten – auch, weil Patrick Roland und Michael Wilhelm in die Nacht rein mit soliden und ereignisfreien Stints punkteten. Doch auch den so vorsichtigen Jungs auf der #274 unterlief ein Fehler, der  - fast zeitgleich wie dem Schwesterteam – den ersten Fast-Repair kostete. Trotz der doch happigen Zeitstrafe fand sich der dunkelblaue C-Spec in MSP-Diensten immer noch auf P4 wieder, der Abstand zum nächsten Platz betrug da zuweilen schon 4 Minuten – und das nach der Strafe.

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Stunde (13-18) – Zwischen Jägern und Verwaltern
In den tiefen Nacht/-bzw. Morgenstunden schlug die MSP-Zeit auf der Uhr ein. Besonders der rote MSP-Audi brachte es mit starken Rundenzeiten von Jestädt und Tanson zu was: Die Euphorie über die begonnene Aufholjagd war aber leider wieder früh dahin, als Tanson auf seiner vorletzten Runde vor seinem Stintende Ausgangs Exmühle ein Flüchtigkeitsfehler unterlief. Die #143 schlug erneut ein, das Team entschied sich daraufhin dazu, den nächsten „Joker“ einzusetzen und keine weitere Zeit mit lädierten Auto zu verlieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte Team 1 schon auf P6 gelegen und war drauf und dran, den Rückstand von drei Minuten auf P3 (AlpineEagle Racing) wettzumachen. Der nächste Fast-Repair bedeutete aber wieder einmal eine Zeiteinbuße von etwas mehr als zwei Minuten, was die Aussichten auf den letzten Podestplatz doch ersichtlich trübten. In den Morgenstunden übernahmen Grünastel und Jestädt abwechselnd das Auto und lieferten trotz so mancher Motivationshemmnisse solide Rundenzeiten auf den Asphalt. Auch Le-Mans-Legende Biela und sein Schweizer Compagnon Reto Hartmann konnten danach vergleichsweise bessere Stints aufs Parkett zaubern.

Team 2 musste sich in der Zwischenzeit mit einem weiteren aber diesmal unverschuldeten Abflug konfrontiert sehen. Der C-Spec mit der #274 war Opfer einer etwas zu gut gemeinten Aktion und verlor zunächst den vermeintlich in Stein gemeißelten vierten Platz an die Mannschaft von GermanSimracing.de. Aufgrund dieser Umstände entschloss man sich, den wild entschlossenen Campos Monserrat weitere Stints fahren zu lassen. Der Halb-Spanier überzeugte auch in den „schlimmsten“ Stunden des Rennens mit brutal schnellen Runden, die locker auf dem Niveau von RSO-Academy-Instruktor Phillip „die Katze“ Schallenberg lagen. Mit zunehmend ablaufender Zeit machte man sich dennoch Sorgen, ob man überhaupt die Vordermänner noch einmal zu fassen bekommen würde.

(Stunde 19-24) – Showdown oder kein Showdown?
Völlig unbeachtet mauserten sich die verlorenen Söhne von Falcon GP zurück ins Geschehen. Die einstigen Race-Leader waren nach einem Disconnect und einem Crash sehr weit nach hinten zurückgefallen, waren aber in der Schlussphase mit dem MSP-Team auf Augenhöhe. Einzig diese beiden Teams hatten es halbwegs unbeschadet durch die Nacht geschafft – Teams wie IndiGO! Racing in Kooperation mit SimSync Pro Racing Team oder AlpineEagle Racing katapultierten sich selbst aus ihrer guten Lage. Und auch die meisterliche Mischung von COREanda erlebte das wohl rennentscheidende Unglück: Erst ein Disconnect von Rising Start Mitchell de Jong und dann ein Horrorcrash von Philipp Stamm beendeten die Jagd auf die Führenden von PRT, die bis zu diesem Zeitpunkt nur knapp 25 Sekunden voneinander getrennt waren. Mit Ablauf der letzten Stunden wurde langsam klar, dass sogar MSP wieder im Kampf ums Podium mitmischen konnte. Einzig die wiederauferstandenen Jungs von Falcon GP hatten was dagegen und machten der Mannschaft von Frank Biela einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Als es in der letzten Stunde auf einen Showdown hinauslaufen zu schien, wurde MSP-Pilot Grünastel von Grafikproblemen übermannt, die einen sehr ungewöhnlichen Crash auf dem Grand Prix Kurs verursachten. Der in Folge dessen leicht beschädigte Audi R8 LMS GT3 verlor dadurch an Geradenspeed und damit jegliche Hoffnung auf ein besseres Ende. Am Ende begnügte man sich mit einem vierten Platz, auch wenn man im Laufe des Rennens nicht mehr mit einer solch respektablen Position gerechnet hatte.

Mindestens genauso turbulent verlief der Schluss beim MSP-Schwesterteam im C-Spec aus dem Hause RUF. Wieder einmal hatten Patrick Roland und Carlos Campos Monserrat exzellente Rundenzeiten an den Tag gelegt – und nicht nur das: Als Carlos „el Torro“ Campos Monserrat endlich auf den verloren geglaubten vierten Platz auflief, folgte eines der wohl spektakulärsten Überholmanöver, das jemals bei einem 24h Rennen aufgezeichnet worden war: Ab der Zufahrt zur Nordschleife hatte die #274 dem GSR-RUF am Heck geklebt, in der Exmühle (!) setzte die #274 dann zum Überholmanöver an – natürlich außen herum. Einzig eine Zeitung hatte noch zwischen die beiden Fahrzeuge gepasst. Nicht nur den Kommentatoren stockte der Atem – auch den Teamkollegen blieb das Nutella-Brötchen bei diesem Akt im Halse stecken. Nur „el Torro“ behielt die Nerven und fuhr danach einen ausreichenden Vorsprung auf P5 heraus. Am Ende überquerte die Überraschungsmannschaft als wohl verdienter vierter die Ziellinie und verpasste wie das Schwesterteam nur knapp das Podium.

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Nach 24h ausgepowert
Trotz des bitteren Beigeschmacks eines vierten Platzes stand allen doch die Erleichterung im Gesicht, als eines der nervenaufreibendsten 24h-Rennen aller Zeiten endlich beendet war. In der GT3-Klasse hatte PRT an der Spitze nichts mehr anbrennen lassen und den Sieg klar und deutlich vor COREanda ins Ziel gebracht. Auf P3 folgten Falcon GP, die die #143 im Kampf ums Podest ausgestochen hatten.

In der C-Spec Klasse fuhr die RSO-Mannschaft einen doch nicht wirklich überraschenden Klassensieg vor Banzai Motorsport und Heusinkveld Engineering ein. In der kleinsten Klasse der Mazdas siegte ebenfalls ein absolutes Nordschleifen-Spezialisten-Gespann aus der RSO-Abteilung. Nach diesem doch psychisch sehr anstrengenden Rennen geht es in den kommenden Wochen mit dem fünften vVLN Lauf von SRD wie gewohnt weiter. Im Juni wartet dann zwar eine längere Sommer-Pause auf uns, doch da versorgt uns iRacing.com mit dem nächsten (und damit ersten) offiziellen 24h Rennen auf der Nordschleife. Wir freuen uns und bedanken uns bei allen Teilnehmern und nicht zuletzt bei Simracing Deutschland e.V., die wieder einmal ein gut organisiertes Event auf die Beine gestellt haben!


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