Jules Bianchi

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Es war eine Nachricht, die jeder befürchtete – dennoch schmälerte diese Vorahnung den Schock kein Bisschen, als es dann wirklich so weit war. Seit den tragischen Neuigkeiten aus Nizza (Frankreich) um Jules Bianchi hat sich eine gewisse Leere in allen Motorsportfans breit gemacht – nicht ohne Grund. Noch vor Monaten hatte man sehr auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes des 25-jährigen gehofft, jedoch machte sich mit zunehmender Zeit die Gewissheit breit, dass dem sympathischen Franzosen nicht mehr viel Zeit blieb, um sich von seinem Horrorunfall, den er beim Grand Prix von Suzuka im Oktober vergangenen Jahres erlitt, zu erholen. Nach neun Monaten harten und scheinbar endlosen Kampfes war für Jules und seine Familie leider am 17. Juli 2015 der Zeitpunkt gekommen, loszulassen.

Starqualitäten und große Zukunft
Leider werden wir niemals das Talent von Jules in einem F1-Auto erleben, das seinem Potenzial würdig ist. Was wir allerdings sehen durften, waren seine brilliante Fahrweise und seine endlose Zielstrebigkeit, das Beste aus seinem benachteiligten Marussia rauszuholen. Seine Schnelligkeit und seine Unnachgiebigkeit, auch mit langsamen Material nie aufzugeben, brachten ihm eine Aussicht auf ein Cockpit bei der Scuderia Ferrari als möglicher Nachfolger von Kimi Räikkönen ein. Viele Experten sahen in Jules Bianchi den kommenden Weltmeister. Viele seiner Teamkollegen und Kontrahenten waren ebenfalls davon überzeugt, dass es Jules einmal ganz nach oben schaffen würde –  so auch seine Unterstützer Jean Alesi und Alain Prost.

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Monaco 2014
Wofür Jules uns auch ewig in Erinnerung bleiben wird, war seine sensationelle Performance beim Grand Prix in Monaco 2014, bei dem er die aller ersten Punkte für Marussia einfuhr. Genau dank dieser Punkte, war es seinem Team überhaupt möglich, auch dieses Jahr an den Start zu gehen. Damals überquerte der Franzose das Ziel als Achter, wurde dann aber mittels einer Strafe auf den neunten Platz zurückgesetzt. Sein unvergessliches Überholmanöver an Kamui Kobayashi in der Rascasse spiegelte mal wieder seine Hartnäckigkeit wieder – ein paar Runden zuvor war er noch mit dem Japaner in der Hafenschikane kollidiert. Grund für dieses hervorragende Ergebnis war sicherlich nicht, dass Bianchi nur vom Unglück anderer profitierte – einzig und allein waren es seine Weltklasse-Performance und sein unglaubliches Überholmanöver, welche zu diesem Erfolg führten.

Nach dem Rennen sagte er selbst: „Das war kein einfaches Rennen. Es gab einige Highs während des Rennens, aber auch ein paar Downs. Alles, was zählt, ist, dass wir als Achter ins Ziel gekommen sind und diese Euphorie vielleicht noch in die nächsten Rennen mitnehmen können.“ Bedauerlicherweise waren es danach nur noch neun weitere Rennen, die Jules bestritt, bevor es zu seinem grauenvollen Unfall mit einem Bergungsfahrzeug in Suzuka kam, der ihm am Ende sein Leben kostete.

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Eine Karriere ohne Tiefen
Wie so gut alle seiner Kollegen startete auch Bianchi im frühen Alter, im Go-Kart-Sport Fuß zu fassen. Schnell wechselte der von Nicolas Todt unterstützte Sprössling in die Französische Formel Renault 2.0 auf und schnappte sich gleich im ersten Anlauf seinen ersten Titel. Nach dem Durchbruch von 2007 stieg Bianchi in die F3 Euro Series auf, zugleich entwickelte sich eine lange Partnerschaft mit ART Grand Prix. Während in der ersten Saison „nur“ der dritte Gesamtrang zu Buche stand, gewann der in Nizza geborene Jules den Titel im zweiten Anlauf – mit satten neun Siegen. Danach folgte Ende 2009 der Schritt in die GP2 Asia Series, synchron wurde der Franzose Teil der Ferrari Driver Academy, wo er fortan stetig auf seinem Weg in die Formel 1 unterstützt wurde. Während zahlreiche Testfahrten für Ferrari folgten, verfolgte er weiter sein Engagement in der GP2, bei der er stets erfolgreich unterwegs war. Sogar eine Fraktur am Rücken bei einem schweren Unfall auf dem Hungaroring 2010 hinderte ihn nicht, an jedem Rennen in dieser Saison teilzunehmen.

2012 wechselte Bianchi in die Formel Renault 3.5, wo er seine Titelambitionen im letzten Rennen nach einer Kontroverse mit Robin Frijns aufgeben musste. Ein Jahr später bestätigte Marussia, dass Jules als Stammfahrer Platz nehmen werde – eine Belohnung für die starken Tests als Freitagsfahrer für Force India in der vergangenen Saison. Gleich im ersten Rennen wurde er in Melbourne mit unterlegenem Material Fünfzehnter. Seine exzellenten Ergebnisse und seine Dominanz gegenüber seinem Teamkollegen Max Chilton (Qualifyingduell 19:0) brachten ihm weitere Testfahrten bei Ferrari im Juli 2014 ein – die Vorbereitung auf einen Wechsel ins Stammcockpit?

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Bianchi abseits der Strecke
Neben der Strecke wurde Bianchi von vielen seiner Kollegen geschätzt und gemocht. Der 25-jährige galt als Gentleman und war für seinen scharfen Sinn für Humor bekannt. Sein unzerbrechlicher Wille handelte ihm eine Position als Vorbild für viele seiner jüngeren Kollegen ein. „Der Tod eines jeden Fahrers ist schlimm, aber bei Jules schmerzt es besonders, weil er einer der guten Jungs war. Er war ein Fahrer, der die richtige Balance zwischen Schnelligkeit auf der Strecke und einzigartigem Auftreten neben der Strecke hatte“, sagt Motorsport.com Redakteur Jonathan Noble, der das Privileg hatte, den jungen Franzosen persönlich kennenzulernen. „Er hatte immer ein Lächeln auf dem Gesicht und zeigte uns, dass die These, man müsse total rücksichtslos und egoistisch sein, um in der Formel 1 erfolgreich zu sein, falsch ist“, so Noble weiter.

Viele Experten waren sich einig: Wer mit Jules Zeit verbrachte, verstand sofort, dass er dazu bestimmt war, der Beste zu sein. Dazu hat Redakteur Noble eine passende Anekdote: „Wir waren gemeinsam bei einem Media Event im Rahmen des Abu Dhabi Grand Prix. Es ging darum, Rennfahrer-Skills und Reaktionsvermögen zu beweisen. Es gab dort einen Computer mit zwei Knöpfen, die man mit dem Daumen betätigen konnte. Dann wurde uns eine Ampel simuliert, die auf Grün schaltet – sobald das Licht grün wurde, musste man so schnell wie möglich reagieren und auf die Knöpfe drücken. Ich bin gegen Jules angetreten und hatte dank meiner Konsolen-Vergangenheit einen leichten Vorteil. Jules gewann keine einzige Runde. Er konnte es nicht akzeptieren zu verlieren und verlangte immer wieder nach einer Revanche – so lange, bis er einsehen musste, dass er nicht gewinnen konnte. Wir haben viel gelacht und jedes Mal, wenn wir uns wieder gesehen haben, hat Jules ein paar Scherze mit mir über diesen Tag gemacht“.

Salut mon pote
Bianchis Speed hinter dem Lenkrad stand nie zur Debatte. Er schaffte es, dort zu überzeugen, wo es in Zeiten von Paydrivern so schwer war, ein Cockpit zu erhalten. So zollte die FIA dem Franzosen Tribut, indem man seine Startnummer 17 zurückbehält und nie wieder vergeben wird. Leider werden wir nie erfahren, zu was er in einem schnellen F1 Auto in der Lage gewesen wäre. Allerdings werden wir uns immer an seine glorreichen Tage in den Nachwuchsserien und an den Nachmittag von Monaco erinnern. Wir werden nie vergessen, was für ein wirklicher Gentleman Jules Bianchi war und schließen uns der Trauer seiner Familie, Freunde und Rennfahrerkollegen an. Die Formel 1 ist ohne ihn definitiv schlechter dran. Wir sagen: „Salut mon pote, tu resteras à jamais avec nous!“

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